Interview mit Kosta: über Kunst und Kritik, Perspektivwechsel und das Auflösen von Gendernormen

Wir hatten die Ehre, Kosta (Instagram: Kosta_Kreativa) zu interviewen und haben mit ihm über seine Leidenschaft zu Make-Up gesprochen. Er hat uns erzählt, dass er mit seiner Kunst Gefühle auslösen möchte, egal ob positiv oder negativ – und so hat er gelernt, auch mit Hass umzugehen!

  • Stell dich gerne erstmal vor: wer bist du, was machst du, wo kommst du her?

Hallo Leute, ich bin Kosta (Kosta_Kreativa), 28 Jahre alt und lebe in Berlin. Ich bin gelernter Koch (übe es aber seit Jahren nicht mehr aus), arbeite inzwischen Teilzeit in einer Online Bank, wo ich den Fachbereich Banking Operations leite – kann es auch kaum fassen^^. Vor 2 Jahren bekam ich ein Stipendium angeboten und wurde zusätzlich zum Hair & Make-Up Artist ausgebildet. Das übe ich nun noch in meiner Freizeit selbständig aus und kümmere mich zusätzlich um meine Kanäle bei YouTube und Instagram .

  • Wie bist du zu deiner Leidenschaft für Make-Up gekommen?

Ich habe mich meine ganze Jugend lang hinter einer Mauer versteckt, hatte 50 kg mehr auf der Hüfte und mir aus Scham nicht erlaubt, mich auszuleben. Vor einigen Jahren begann ich mit Drag. Was ich daran genauso wenig leiden kann wie ich es liebe, ist die Tatsache, dass man in eine Rolle schlüpft. Man spielt eine Figur, gibt vor jemand anderer zu sein… Natürlich ist dies nicht verkehrt und ich liebe es immer noch, jedoch ist es doch viel aufregender zu zeigen wer man ist und was man kann und dabei nicht den Charakter wegzuschminken, sondern viel mehr mit der gegebenen Leinwand zu arbeiten und das bereits vorhandene zu unterstützen. Make-Up gehörte also zu meiner Leidenschaft, dem Verkleiden. Beides liebe ich auch heute noch.

  • Wie hast du den Umgang mit Make-Up so gut gelernt?

Vor einiger Zeit begann ich mich vermehrt auf mein Make-Up und Instagram zu konzentrieren, da ich finde, dass dies unter maskulinen Typen wie mir viel zu wenig vertreten ist und ich muss sagen, es läuft ziemlich gut 🙂 Außerdem brauchte ich ein kreatives Ventil als Kontrast zu meinem Bürojob in der Bank. Geholfen hat natürlich auch meine Ausbildung zum Hair & Make-Up Artist, aber hauptsächlich war es learning by doing mit Inspiration von YouTube und Instagram.

  • Wie bist du dazu gekommen, auf Instagram sowie YouTube aktiv zu werden?

Ach, das war schon immer ein großer Traum von mir. Ich habe mich nur viel zu lange nicht getraut, etwas von mir preiszugeben. Als ich mich dann endlich wohl genug gefühlt habe, bin ich durch gestartet. Ich wollte mir diese Personen im Internet nicht mehr nur anschauen. Ich wollte endlich dazugehören =)

  • Wirst du auch manchmal mit Kritik oder „Hass“ konfrontiert? Im echten Leben sowie Online? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Kritik und Hass müssen bei mir ganz klar getrennt werden.
Konstruktive Kritik ist, wovon ich lebe. Ohne diese kann es kein Vorankommen geben. Daher freue ich mich immer darüber. Man muss nur sorgfältig entscheiden, was tatsächlich umgesetzt werden sollte und was einfach nur individueller Geschmack ist. 
Hass stört mich zum Glück auch nicht. Den bekomme ich ziemlich häufig als Kommentar und manchmal auch auf der Straße hinterher gerufen. Ich gehe damit gelassen um. Irgendjemand hat einen schlechten Tag oder ist frustriert, weil er/sie sich nicht so ausleben kann wie ich. Damit muss die Person selber klar kommen. Ich bin an der Stelle nur sein Ventil. Wenn mir jemand so eine richtig schön hassvolle Nachricht schickt, freue ich mich komischerweise. Ich habe etwas in dieser Person bewegt, habe Gefühle ausgelöst. Um mehr geht es in der Kunst nicht. Nicht nur das Auge, sondern auch die Seele ansprechen. Ob positiv oder negativ sollte egal sein.

  • Make-Up wird teilweise eher einer weiblichen Zielgruppe zugesprochen. Wie stehst du zu Genderrollen und Stereotypen?

Die Genderrollen beim Makeup erachte ich als totalen Schwachsinn! Klar, die Gesellschaft schaut sich lieber hübsch geschminkte Mädels an als Jungs, aber vor einigen hundert Jahren waren hohe Schuhe nur den adligen Männern vorbehalten. Wir befinden uns mal wieder in einer Zeit des Umbruchs und ich bin stolz darauf, daran teil zu haben. Scheiß auf Gendernormen. Macht was euch gut tut =)

  • Hast du eine Message, die du gerne vermitteln möchtest oder gibt es noch etwas, das du unseren LeserInnen gerne sagen würdest?

Bleibt euch treu und geht euren individuellen Weg. Messt eure Freunde nicht nur daran, wie sehr ihr euch versteht, sondern wie sehr sie euch unterstützen und helfen, euren Charakter mit zu formen. Wenn ihr euch nicht wohl fühlt an dem Ort wo ihr seid, dann wagt eine Änderung. Euer Leben liegt nur in eurer Hand. Und wenn du etwas mal nicht ändern kannst, dann letztlich doch immer noch die Art, wie du darüber denkst.

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